Im Spiegel stand am 6. 5. ein interessanter Artikel über das fragliche Geschäftsmodell von Facebook, der vor allem auf die Kritik von Umair Haque und Jeff Jarvis aufbaut.
Jarvis fokussiert seine Kritik – “Facebook? Ich wäre lieber Google” – Haque verzichtet auf filigrane Formulierung – “Wäre ich Facebook, würde ich mich vermutlich umbringen”. Beider Kritik fokussiert sich auf die Entwicklung des Geschäftsmodells von Facebook und nimmt Google als Messlatte. Hier wird nicht nur Birnen mit Äpfeln sondern auch Vergangenheit mit Gegenwart verglichen.
Google heute gilt als das Erfolgsmodell eines Onlinebusiness. Der Suchmaschinengigant dominiert seine Branche und verdient prächtig. Google als Startup war kein Erfolg versprechendes Modell:
- Der Markt für Suchmaschinen galt als gesättigt.
- Die Idee eine weitere Suchmaschine ohne Werbung auf der Startseite aufzumachen, galt als bestenfalls skurril.
Facebook heute vernetzt erfolgreich viele Nutzer, macht erste Umsätze und experimentiert dabei mehr oder weniger glücklich mit Ertragsquellen und deren Nutzung. Das Facebook in einem ganz anderen Wettbewerbsumfeld agieren muß als Google ist nur ein gern vergessener Unterschied.
Andere Produkte, andere Rahmenbedingungen, andere Wettbewerbssituation
Status quo
- Google dominiert seine Branche tatsächlich, Facebook ist auch bei aller Größe bestenfalls auf dem Weg dazu.
- Zu Google fallen uns wenige gleichwertige Alternativen ein. Und wir brauchen diese Suchmaschine tagtäglich. Zu Facebook gibt es Alternativen und wir brauchen Facebook noch nicht in diesem Maß, wie wir Google brauchen.
Potenzial
Google und Facebook werden auf absehbare Zeit über Werbung finanziert. Diese Gemeinsamkeit endet schnell:
- Google lebt von der Einblendung von Werbung passend zum Kontext der Website, auf der diese Werbung eingeblendet wird. Google versucht diesen Ansatz über Profiling nachzubessern, nachdem der Versuch des eigenen globalen social networks (Orkut) scheiterte.
- Facebook kann systembedingt die Werbung eher passend zu den Interessen des Nutzers einblenden, soweit die Nutzer ihre Interessen überhaupt offenbaren.
Innovationsfreude, innovative Geschäftsmodelle und die Realität
Facebook wird dafür getadelt, das es ihm bislang noch nicht gelungen ist innovative Geschäftsmodelle zu entwickeln. Das mag sein, das Facebook hier schwächelt. Aber was nützen innovative Modelle, die nicht auf Nachfrage treffen. Die werbetreibende Wirtschaft sprach schon 2006 über behaviourial targeting. Nennenswerte Kampagnen die darauf basieren, fehlen bislang. Google ist in seinem Kerngeschäft nicht wirklich innovativ.
Zukunftsperspektiven?
Google gilt aufgrund seines angesammelten Datenvolumens für nicht mehr ersetzbar. Niemand kennt nun mal so viele Seiten im Netz wie Google. Allerdings nutzen wir diese Tiefe gar nicht. Die Briten beispielsweise verbringen die Hälfte ihrer Onlinezeit auf 10 Seiten. Der Anteil der Zeit, die Onlineuser auf den Seiten von social networks verbringen, ist nicht weniger groß. Letztlich kann sich weder Facebook noch Google sicher sein. Wer erinnert sich noch an Cycosmos, wer an Altavista und Lycos? Was können wir heute erkennen:
- In der Bilanz hat Google deutlich die Nase vorn.
- Was den strategischen Ansatz angeht, hat das Modell “social network” das Potenzial das heutige Ertragsmodell “Google AdWords” zu schlagen.
- Ob dies Facebook gelingt ist eine andere Frage.
- Ebenso ob Google ein verbessertes Ertragsmodell auf die Beine stellen kann.
Letztlich kann die Antworten auf diese Fragen nur die Zeit bringen. Das Rennen ist so offen wie spannend.
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